Pilzvergiftungen vorbeugen
Herbstzeit ist Pilzzeit. Unzählige Pilzsammler machen sich auf die Pirsch nach den beliebten Gewächsen. Unter den insgesamt etwa 6000 bekannten Pilzarten gibt es 200 Speisepilze und ungefähr gleich viele Giftpilze. Der grosse Rest ist ungeniessbar und wie die Giftpilze nicht als Nahrungsmittel geeignet.
Grundsätzlich muss man erwähnen, dass Pilze schwer verdaulich sind und in grösseren Mengen bei vielen Leuten Magen-Darm-Beschwerden verursachen können. Sie sollten also in Massen und nicht roh genossen werden. Medizinisch relevant sind Pilze natürlich wegen den gefürchteten Giftarten.
Hände weg vor Giftpilzen
Giftpilze haben unterschiedliche Probleme zur Folge: Je nach Art der Pilze können typische Giftwirkungen beobachtet werden. Insgesamt sind 13 Vergiftungsformen bekannt, davon ist der akute Brech-Durchfall die häufigste Form. Daneben gibt es Pilze, welche die Nieren angreifen, das vegetative Nervensystem durcheinanderbringen oder Halluzinationen hervorrufen können. Einige Pilze führen erst in Verbindung mit Alkohol zu Problemen, weil sie den Abbau des Alkohols im Körper blockieren, was zu unangenehmen Erscheinungen wie Hitzegefühl, Bauchschmerzen, Herzklopfen und starker Hautrötung führen kann. Alle diese Probleme sind zwar lästig, aber meist nicht lebensgefährlich.
Richtig gefährlich ist hierzulande der Knollenblätterpilz. Nach dem Genuss dieses Pilzes kommt es auch zu Brechdurchfällen, aber im Gegensatz zur harmlosen Variante nicht innert vier Stunden, sondern meist erst nach acht bis zwölf Stunden. Im weiteren Verlauf geht es dem Patienten relativ gut, was eine Besserung vortäuschen kann. Anschliessend zeigen sich Anzeichen für eine Zerstörung der Leber, was zum Tode führen kann. In diesem Zustand gehört der Patient unbedingt in Spitalpflege und eine Lebertransplantation muss frühzeitig ins Auge gefasst werden, um das Leben des Betroffenen zu retten.
Effektive Pilzkontrollstellen
Glücklicherweise sind solche fatalen Verläufe in Westeuropa und der Schweiz selten. Dies liegt an der einfachen Verfügbarkeit von Pilzkontrollstellen und dem hochstehenden Fachwissen dieser Experten. Zudem ist die korrekte medizinische Versorgung bei Bedarf überall gewährleistet. Trotzdem kommt es immer wieder zu schweren Vergiftungen, häufig weil der Sammler seine eigenen Fähigkeiten zur Pilzidentifikation überschätzt. Ein früherer Chefarzt des Autors dieses Textes brachte das Problem mit folgender Bemerkung am Krankenbett eines Vergifteten auf den Punkt: "Wissen Sie, es sind immer die Kenner, die bei uns auf der Intensivstation landen."
Immer zum Pilzkontrolleur
Selbstgesammelte Pilze gehören also ausnahmslos für eine Begutachtung zum Pilzkontrolleur. Falls nach einer Pilzmahlzeit plötzlich Durchfall und Erbrechen oder andere Krankheitssymptome auftreten, müssen diese sofort ärztlich abgeklärt werden, insbesondere, wenn die Probleme erst nach acht bis zwölf Stunden auftreten.
Weitere Informationen
Website der Schweizerischen Pilzkontrolleure
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Publikation mit freundlicher Genehmigung des Schweizer Zentrums für Telemedizin MEDGATE